Becoming EU-ropean comes to Stuttgart
Europa im Dialog zwischen Ost und West
Europe means encounters! Wir im Europa Zentrum Baden-Württemberg lieben europäische Begegnungen. Internationale Projekte können zwar herausfordernd sein und sie bergen Risiken. Man kennt sich nicht und muss den interkulturellen Kontext feinfühlig navigieren. Was man daraus jedoch gewinnen kann, wie etwa Erkenntnisse über die andere Kultur und aus einer neuen Perspektive über die eigene... diese Rechnung geht immer auf.
Im Mittelpunkt unseres internationalen von der Baden-Württemberg Stiftung geförderten Projekts „Becoming EU-ropean“ steht die Stärkung demokratischer Kompetenzen und des europäischen Bewusstseins. Im strukturierten Dialog zwischen Zivilgesellschaft, öffentlicher Verwaltung und Wissenschaft setzten wir uns mit der Frage auseinander, wie europäische Werte, Institutionen und Politik in unterschiedlichen nationalen Kontexten wahrgenommen werden und wie sie auf sinnvolle Weise als gelebte gesellschaftliche Realität vermittelt werden können.
Im Laufe des Projekts wurde deutlich, dass die Wahrnehmungen Europas und der Europäischen Union zwischen Ost und West teilweise weit auseinanderliegen. Erwartungen an die EU, Erfahrungen mit ihren Institutionen und Vorstellungen über die weitere europäische Integration unterscheiden sich – zugleich gibt es zahlreiche gemeinsame Herausforderungen und Interessen. „Becoming EU-ropean“ setzte deshalb auf direkten Austausch und persönliche Begegnungen. Gemeinsam mit DKolektiv aus Osijek, mit dem Novosadski humanitarni centar und dem Verein Prijateljice aus Tuzla entstand ein Raum, in dem Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung über europäische Werte, Beteiligung und die Zukunft Europas diskutieren konnten.
Das Projekt startete mit einer Reihe von Webinaren, in denen unter anderem die geopolitische Lage Europas und die Perspektiven der EU-Erweiterung beleuchtet wurden. Daran schlossen sich Workshops in Tuzla, Novi Sad und Osijek an. Im Mittelpunkt standen Fragen wie: Wie wird die Europäische Union in den verschiedenen Ländern wahrgenommen? Wie können Bürgerinnen und Bürger stärker für europäische Themen erreicht werden? Welche Rolle spielen Medien und politische Kommunikation? Und wie können zivilgesellschaftliche Organisationen dazu beitragen, demokratische Beteiligung zu stärken?
Projektabschluss in Baden-Württemberg
Vom 14. bis 17. September kamen die Projektpartner schließlich zum Abschlussseminar in Baden-Württemberg zusammen. Den Auftakt bildete eine Stadtführung durch Ludwigsburg, bevor das Programm in Stuttgart mit Gesprächen und Begegnungen fortgesetzt wurde. Neben dem fachlichen Austausch ging es dabei auch darum, die Erfahrungen aus Kroatien, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina mit Akteurinnen und Akteuren aus Baden-Württemberg zusammenzubringen.
Ein Höhepunkt war eine öffentliche Diskussions- und Netzwerkveranstaltung. Die Perspektive Baden-Württembergs brachten Catherine Kern, MdL a.D. und Annegret Eppler, Professorin der Hochschule Kehl ein, während Danijela Korac-Mandic und Ivana Kovacevic die Perspektive des Westbalkans beitrugen. Wir sprachen über die aktuelle Situation in der Region, den Stand der EU-Beitrittsprozesse und die Frage, welche Rolle Zivilgesellschaft und politische Beteiligung auf dem Weg in die Europäische Union spielen. Gerade Bosnien und Herzegowina und Serbien rückten dabei in den Mittelpunkt – zwei Länder, deren gesellschaftliche und politische Entwicklungen in Deutschland häufig deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten als die klassische europapolitische Debatte.
Abschluss im Europäischen Parlament
Den Schlusspunkt setzte eine gemeinsame Fahrt nach Straßburg. Im Europäischen Parlament traf die Gruppe unter anderem den kroatischen Europaabgeordneten Gordan Bosanac. Zugleich ergab sich eine besondere Gelegenheit: im Plenum konnten wir die Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney verfolgen.
Damit schloss sich für das Projekt ein Kreis. Bereits zu Beginn von „Becoming EU-ropean“ hatte sich eines der Webinare mit der wachsenden Bedeutung geopolitischer Veränderungen für Europa und mit neuen Möglichkeiten für die EU-Erweiterung beschäftigt. In Straßburg wurde deutlich, wie eng Fragen von Erweiterung, internationaler Zusammenarbeit und Europas Rolle in der Welt miteinander verbunden sind.
Mit diesem krönenden Abschluss enden die Aktivitäten von „Becoming EU-ropean“, nicht aber die entstandenen Kontakte. Denn es sind Menschen, die ein Projekt zum Leben erwecken und es ausgestalten. Über viele Monate hinweg haben wir mit unseren Partnerinnen nicht nur über Europa gesprochen, sondern unterschiedliche Erfahrungen miteinander geteilt, neue Netzwerke aufgebaut und Ideen für weitere Kooperationen entwickelt.
Gerade darin liegt ein Ergebnis, das sich in klassischen Projektberichten nur schwer in Zahlen ausdrücken lässt: gegenseitiges Verständnis, Vertrauen und die Erfahrung, mit dem eigenen Engagement nicht allein zu sein. Die Gespräche sollen deshalb weitergehen – ebenso wie die Zusammenarbeit mit unseren Partnerinnen und Partnern in Südosteuropa.
Denn Europa entsteht nicht allein in seinen Institutionen. Es entsteht dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, voneinander lernen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Oder, ganz im Sinne unseres Leitmotivs: Europa zusammen bewegen.
Bilder Europa Zentrum Baden-Württemberg

