Becoming EU-ropean: unsere Partner zu Besuch im Ländle
Becoming EU-ropean: Europa im Dialog zwischen Ost und West
Wie können Menschen aus unterschiedlichen Teilen Europas stärker miteinander statt übereinander sprechen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Projekts „Becoming EU-ropean“, das das Europa Zentrum Baden-Württemberg gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Kroatien, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina umgesetzt hat. Gefördert wurde das Projekt von der Baden-Württemberg Stiftung.
Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass die Wahrnehmungen Europas und der Europäischen Union zwischen Ost und West teilweise weit auseinanderliegen. Erwartungen an die EU, Erfahrungen mit ihren Institutionen und Vorstellungen über die weitere europäische Integration unterscheiden sich – zugleich gibt es zahlreiche gemeinsame Herausforderungen und Interessen. „Becoming EU-ropean“ setzte deshalb auf direkten Austausch und persönliche Begegnungen. Gemeinsam mit DKolektiv aus Osijek, dem Novi Sad Humanitarian Centre und Prijateljice aus Tuzla entstand ein Raum, in dem Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung über europäische Werte, Beteiligung und die Zukunft Europas diskutieren konnten.
Das Projekt startete mit einer Reihe von Webinaren, in denen unter anderem die geopolitische Lage Europas und die Perspektiven der EU-Erweiterung beleuchtet wurden. Daran schlossen sich Workshops in Tuzla, Novi Sad und Osijek an. Im Mittelpunkt standen Fragen wie: Wie wird die Europäische Union in den verschiedenen Ländern wahrgenommen? Wie können Bürgerinnen und Bürger stärker für europäische Themen erreicht werden? Welche Rolle spielen Medien und politische Kommunikation? Und wie können zivilgesellschaftliche Organisationen dazu beitragen, demokratische Beteiligung zu stärken?
Projektabschluss in Baden-Württemberg
Vom 14. bis 17. September kamen die Projektpartner schließlich zum Abschlussseminar in Baden-Württemberg und Straßburg zusammen. Den Auftakt bildete ein Besuch in Ludwigsburg, bevor das Programm in Stuttgart mit Gesprächen und Begegnungen fortgesetzt wurde. Neben dem fachlichen Austausch ging es dabei auch darum, die Erfahrungen aus Kroatien, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina mit Akteurinnen und Akteuren aus Baden-Württemberg zusammenzubringen.
Ein Höhepunkt war eine öffentliche Diskussions- und Netzwerkveranstaltung. Expertinnen und Experten aus Südosteuropa und Baden-Württemberg diskutierten die aktuelle Situation in der Region, den Stand der EU-Beitrittsprozesse und die Frage, welche Rolle Zivilgesellschaft und politische Beteiligung auf dem Weg in die Europäische Union spielen. Gerade Bosnien und Herzegowina und Serbien rückten dabei in den Mittelpunkt – zwei Länder, deren gesellschaftliche und politische Entwicklungen in Deutschland häufig deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten als die klassische europapolitische Debatte.
Abschluss im Europäischen Parlament
Den Schlusspunkt setzte eine gemeinsame Fahrt nach Straßburg. Im Europäischen Parlament traf die Gruppe unter anderem den kroatischen Europaabgeordneten Gordan Bosanac. Zugleich ergab sich eine besondere Gelegenheit: Die Teilnehmenden konnten im Plenum die Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney verfolgen.
Damit schloss sich für das Projekt ein Kreis. Bereits zu Beginn von „Becoming EU-ropean“ hatte sich eines der Webinare mit der wachsenden Bedeutung geopolitischer Veränderungen für Europa und mit neuen Möglichkeiten für die EU-Erweiterung beschäftigt. In Straßburg wurde deutlich, wie eng Fragen von Erweiterung, internationaler Zusammenarbeit und Europas Rolle in der Welt miteinander verbunden sind.
Ein Bild aus der Rede blieb dabei besonders in Erinnerung: Ein einzelner Baum kann im Sturm fallen, ein Wald hält ihm eher stand. Übertragen auf Europa verweist dieses Bild auf eine zentrale Erfahrung des Projekts: Europa wird dort stärker, wo Menschen, Institutionen und Gesellschaften Verbindungen schaffen und Verantwortung füreinander übernehmen.
Mit dem Abschlussseminar enden die Aktivitäten von „Becoming EU-ropean“, nicht aber die entstandenen Kontakte. Über viele Monate hinweg haben die Beteiligten nicht nur über Europa gesprochen, sondern unterschiedliche Erfahrungen miteinander geteilt, neue Netzwerke aufgebaut und Ideen für weitere Kooperationen entwickelt.
Gerade darin liegt ein Ergebnis, das sich in klassischen Projektberichten nur schwer in Zahlen ausdrücken lässt: gegenseitiges Verständnis, Vertrauen und die Erfahrung, mit dem eigenen Engagement nicht allein zu sein. Die Gespräche sollen deshalb weitergehen – ebenso wie die Zusammenarbeit mit unseren Partnerinnen und Partnern in Südosteuropa.
Denn Europa entsteht nicht allein in seinen Institutionen. Es entsteht dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, voneinander lernen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Oder, ganz im Sinne unseres Leitmotivs: Europa zusammen bewegen.
Bilder Europa Zentrum Baden-Württemberg

